Die Mauer muss weg
Beim Heimspiel gegen Jena war sie plötzlich geschlossen, die Sektorentrennung zwischen K und J/F. Als Begründung dafür wurde von Geschäftsführung und Fanbeauftragtem das Betreten des VIP-Bereichs durch einzelne Stehplatzbesucher genannt. Auf unser Protestschreiben erhielten wir am gestrigen späten Abend eine Antwort der Geschäftsführung. Darüber möchten wir euch informieren und auf einzelne Punkte eingehen.
Wichtigster Inhalt dieser Stellungnahme ist die Rückkehr zur Vernunft in Bezug auf die Trennung
zwischen K und J/F! Hier versichert die Geschäftsführung, dass dieses Tor bei einer Gesamtauslastung der beiden Bereiche unter 9.000 Zuschauer – anders als in der Pressemitteilung Nr. 77 vom 16.04.2010 angekündigt – auch weiterhin geöffnet bleibt. Mit dieser Aussage hat die Fangemeinschaft Dynamo ihr Minimalziel erreicht. Dennoch wirft die Stellungnahme weitere Fragen auf, um deren Beantwortung wir uns weiterhin bemühen werden, um im Idealfall jegliche Trennung der eigenen Fans zu vermeiden. Dabei kann uns jeder Fan unterstützen, der gern mit seinem Kumpel auch dann gemeinsam ein Bier im Stadion trinken möchte, wenn dieser Karten für einen anderen Bereich hat.
Die Geschäftsführung geht in ihrer Stellungnahme auf alle Sektorentrennungen ein. Im Punkt 1 geht es um die Trennung gegnerischer Fangruppen im Zusammenhang mit den Sicherheitsrichtlinien des DFB. Die Notwendigkeit dieser Trennung zweifelt die Fangemeinschaft Dynamo nicht an. Dennoch verstehen wir nicht, dass Einschränkungen für die eigenen Fans schneller und effektiver umgesetzt werden, als Schutzmaßnahmen für gegnerische Fans. Im Schreiben heißt es (Zitat):
“Die Erfahrung zeigt, dass beim Aufeinandertreffen bestimmter gegnerischen Gruppen mit Ausschreitungen zu rechnen ist. Daher bemühen sich die Sicherheitskräfte in Abstimmung mit dem Veranstalter, diese Gruppen weiträumig voneinander getrennt in ihre Blöcke und nach dem Spiel ebenso getrennt zu den Öffentlichen Verkehrsmitteln und Parkplätzen zu führen.”
Unverständlich bleibt, warum dieses Bemühen der Sicherheitskräfte bereits im Vorfeld des Spieles gegen Jena torpediert wird, indem man den Parkplatz für Gäste mitten in den südlichen Abwanderungsstrom der eigenen Fans verlegt. Von Führung der Gäste zu ihrem Parkplatz kann auch keine Rede sein, wie uns empörte Jenaer im Nachhinein mitteilten.
Im zweiten Punkt der Erläuterung wird auf die baulichen Gegebenheiten eingegangen und das bekannte Argument der Entfluchtung angeführt. Der Verweis auf die Sächsische Versammlungsstättenverordnung ist dabei nicht neu, auch wenn diese durch viele andere Beispiele immer wieder ad absurdum geführt wird. Der Eindruck, dass Geschäftsführung und Sicherheitsdienst gemeinsam zu wenig für die Fans der SGD unternommen haben, bleibt bestehen.
Punkt 3 verweist auf die Verantwortlichkeit des Sicherheitsdienstes zur Durchsetzung betrieblicher Sicherheitsmaßnahmen. Interessant ist dabei vor allem, dass hier deutlich ein Mangel des Sicherheitsdienstes aufgezeigt wird, der Auslöser für die Begründung im 4. Punkt ist (Zitat):
“Unter §43 Punkt 4 SächsVStättVO heißt es: „Der Ordnungsdienstleiter und die Ordnungsdienstkräfte sind für die betrieblichen Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich. Sie sind insbesondere für die Kontrollen an den Ein- und Ausgängen und den Zugängen zu den Besucherblöcken, die Beachtung der maximal zulässigen Besucherzahl und der Anordnung der Besucherplätze, die Beachtung der Verbote des §35, die Sicherheitsdurchsagen sowie für die geordnete Evakuierung im Gefahrenfall verantwortlich.“[...]”
Weiter wird ausgeführt, dass der Ordnungsdienst bei einer Missachtung dieser Passage eine Ordnungswidrigkeit begehen würde. Dass hierbei die Evakuierung hervorgehoben wird, nicht aber die Kontrollen an den „Zugängen zu den Besucherblöcken“, verwundert umso mehr, weil im Punkt 4 erneut Folgendes angesprochen wird (Zitat):
„Die Sektorentrennung unterstützt den Veranstalter dabei, die Erschleichung von Leistungen zu unterbinden. Das Eindringen von Besuchern aus dem Stehplatz- in den VIP-Bereich hat in den letzten Spielen zugenommen […]“
Hier sieht die Fangemeinschaft Dynamo einen klaren Widerspruch in der Darstellung der Geschäftsführung zum Thema. Einschränkungen für die eigenen Fans werden meist schnell mit bürokratischen Verordnungen erklärt, das Versagen des Sicherheitsdienstes aber heruntergespielt. Wenn dann in einer offiziellen Pressemitteilung die bösen Fans als Grund für weitere Schikanen herhalten müssen, sehen wir das nicht als gerechten Umgang mit der Thematik an. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen! Ebenso muss man sich im Verein nicht wundern, dass Fans es als Affront auffassen, wenn der jetzt mittgeteilte Hauptgrund für die Schließung des Tores zwischen K und J/F nicht kommuniziert wird.
Die Fangemeinschaft Dynamo wird vorerst von Aktionen absehen. Wir werden die Zusage, dass die Sektorentrennung zwischen K und J/F bei normaler Stadionauslastung geöffnet bleibt, kritisch auf ihre Einhaltung beobachten. Dass auch die Trennung zwischen K-Block und Westtribüne geöffnet werden muss, bleibt dennoch ein wichtiges Ziel unserer Arbeit.
